Artikel der Allgemeinen Zeitung vom 17.11.2021 Workshop statt (zu) lange Sperren

Wie das Projekt „We4Y(ou)“ Ausschreitungen im Amateurfußball entgegenwirken will

Von Philipp Ourillo

WIESBADEN. Als Fußballer war Athanasious Wohers selbst kein Kind von Traurigkeit wie er zugibt. Zunehmende Gewaltausbrüche, Spielabbrüche oder Platzvenveise beobachtet „Saki mit Sorge und will dieser Tendenz gemeinsam mit seinem Partner George Ford mit einem neuen Projekt begegnen. We4Y(ou) – Stark durch Kompetenz – damit soll Gewalt im öffentlichen und privaten Raum entgegengewirkt werden.“Gleichzeitig wollen wir Menschen in Konfliktsituationen stärken“, sagt Wolters. Das gelte für die verschiedenen Situationen im Alltag, für die Arbeit, aber auch für den Sport. Und hier ganz speziell den (Amateur-)Fußball.

Idee bei gemeinsamen Frühstück entwickelt: Wolters und Ford war die Idee für dieses Projekt bei einem gemeinsamen Frühstück gekommen. Während der Pandemie und des harten Lockdowns fragten sie sich: „Was macht Corona mit uns?“ Vom gesellschaftlichen Leben weitestgehend abgeschnitten zu sein, der Umgang mit dem Gefühl von Ohnmacht gegenüber dem Virus – darüber tauschten sich Ford und Wolters aus. Für den leidenschaftlichen Fußballer Wolters, derzeit Sportlicher Leiter beim SV Italia Wiesbaden, war es nicht scher die Verbindung zu seinem Sport herzustellen.

Prävention: Wie kann man Ausraster vermeiden? Einerseits im Hinblick darauf, Ausraster und Gewaltszenen auf dem Spielfeld zu vermeiden. „Wir wollen den Spielern bewusst machen, wie sie aus einer aggressiven Spiralen während des Spiels aussteigen können“, erklärt George Ford. Konflikte auf dem Platz nicht verbal oder tätlich eskalieren zu lassen, sei kein Zeichen von Schwäche. Wolters will den Spielern „Konsequenzen ihres Handelns bewusst machen“. Er selbst stehe manchmal am Spiefeldrand und sehe Spieler, die sich schon nach drei Minuten gegenseitig beleidigen. .,Da denke ich mir nur: Guck mal, so dumm warst du auch mal“, sagt Wolters.

Nach Sperre – Spieler kehren mit Wut im Bauch zurück: Die aus den Fouls folgenden, langen Sperren gehen einher mit dem zweiten Punkt, an dem das Projekt an setzt. Denn die Gewaltszenarien auf dem Platz ziehen für die Spieler nicht selten wochen-oder gar monatelange Sperren nach sich. „Das kostet den Verein Image und Geld. Und den Spieler Zeit. in der er nicht kicken kann und stigmatisiert wird – nicht selten auch innerhalb der eigenen Mannschaft“, sagt Wolters. Daher sei es auch sinnvoll, dass eine ganze Mannschaft an einem solchen Workshop teilnehme. Spieler würden dann in vielen Fällen „mit Wut im Bauch wieder auf den Platz„ zurückkehren – das Potenzial, zum Wiederholungstäter zu werden, sei dadurch nur umso größer. Um die Gefahr eines Rückfalls zu minimieren, wollen Ford und Wolters Seminare für interessierte Spieler oder auch ganze Teams anbieten. Geht es nach Wolters, könnte der Verband in Zukunft die teilweise drastischen Sperren eher reduzieren – und sie dafür an eine Teilnahme im Seminar koppeln. „Wollen ein Ventil bieten, über Dinge zu reden: Ein festes Schema soll es in den Workshops nicht geben, dennoch haben die beiden verschiedene Instrumente für die Seminare im Kopf, damit bei den Teilnehmern ein Umdenken einsetzt: Rollenspiele, Coaching, persönliche Gespräche oder auch mal ein Jugendspiel zu pfeifen. „Wir hören den Leuten zu und helfen ihnen, an sich zu arbeiten“, erklärt Ford die Strategie. Man wolle den Betroffenen dabei auch „ein Ventil bieten und über Dinge reden„ die sie sehr belasten“, sagt Wolters. Eine Art Probe-Seminar haben Ford und Wolters bereits mit Fußballern in Mainz geleitet.

Für den Fußball und fürs Leben lernen“: Einige Spieler, die in der jüngeren Vergangenheit eine Rote Karte erhalten hatten, waren zu Gast. Ein erzieherischer Ansatzpunkt: Die Sünder mussten unter anderem anonymisierte Sachverhalte und Tatbestände durchlesen – auch die der eigenen Delikte – und sich anschließend in die Position von Richtern versetzen, beratschlagen und Urteile fällen. Das Resultat des Seminars fällt bislang positiv aus: „Die Spieler sind seither nicht melir auffällig geworden“, sagt Wolters. Denn man lerne hier nicht nur für den Fußball, sondern auch fürs Leben.

ZU DEN PERSONEN

Saki Wolters (44), geboren in Berlin-Neukölln, ist seit seiner Kindheit erst als Spieler, dann als Trainer im Wiesbadener Amateurfußfall zu Hause. Beendete sein Engagement als Trainer im September 2018, als einer seiner Spieler bei der Spvgg. lgstadt im A-Liga-Spiel beim FC Bierstadt II einen gegnerischen Spieler bewusstlos schlug und 36 Spiele Sperre erhielt.

George Ford leitet in Mainz die „George Ford Akademie“ und lehrt dort Kampfkunst und Selbstverteidigung für Kinder und Erwachsene. Als Mentor und Coach schult er außerdem in den Themen Anti-Mobbing, Gewaltprävention und Resilienz.

► Mehr Infos zum Projekt unter www.we4y.de